Dicht(er) dran – Artikel in der Neu-Ulmer Zeitung

marco-volkslyrikHeute (14.10.2016) erschien ein schöner Artikel zu Marco Kerlers neuem Gedichtband „VolksLyrik“ in der Neu-Ulmer Zeitung.

Überdies stellt der Autor am 14. Oktober um 19 Uhr sein neues, bei edition dreiklein erschienenenes, Buch in der Kulturbuchhandlung Jastram vor.

Dabei wird er auch für interessierte Gäste Gedichte schreiben!

Mit seinem Projekt VolksLyrik wagte der Ulmer Dichter Marco Kerler das mehrtägige Live-Experiment, seinen Besuchern Lyrik näherzubringen, indem er sie vor Ort in seinen Schaffensprozess integrierte. Dabei ging er weit über das bloße „dem Volk aufs Maul schauen“ hinaus.

Er sammelte die Gedanken, Erinnerungen und Wünsche seiner Interviewpartner und konservierte sie lyrisch in der Zeitneutralität des Papiers.

9 Tage
Unzählige Kippen
100 Gedichte
Und Kaffee


VolksLyrik
Marco Kerler
edition dreiklein
214 Seiten
12×19 cm
ISBN: 978-3-9817281-4-9
Preis: € 14,-

 

Halloween – Neue Vampirlimericks

Es plagt ’nen Vampir aus Frohse
ein Fangzahn im Mund, der ist lose.
Bekommt er nun Blutdurst,
erhitzt er sich Blutwurst –
bevorzugt das Zeug aus der Dose.

Es biss ein Vampir aus Schwerte
eine Dame, die sich heftig wehrte.
Doch nach drei Schluck A+
war mit Widerstand Schluß,
worauf er sie endgültig leerte.

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Kaffee

Ob auf Almen
Unter Palmen
Auf Atollen
Packeisschollen
Ob es urknallt
Tief im Urwald
An der Küste
In der Wüste
Hinterm Pflug
Und auch im Zug
Ob in Schiffen
Zwischen Riffen
Auf der Kur
Und an der Ruhr
Eh‘ ich zur Post geh‘
An der Ostsee
Tief im Schacht
Und auf der Gracht
Dann auf dem Mars
In Zingst und Darß
Bei Geysiren
Zwischen Tieren
An der Biskaya
Im Himalaya
Den ich in Lhasa
Mal von nah sah
Tags im Büro
Und auch im Zoo
Auf der A8
Bei dunkler Nacht
In Eis und Schnee
Brauch‘ ich Kaffee

Halb vier

Wenn die Maschine
Anläuft und
Gedankenkreiselnd
Lage für Lage
Den Schlaf
Wegspant
Bis nichts bleibt
Als Müdigkeit

Herbstliche Limericks

Es fand eine Dame in Aurich
den Herbst deprimierend und schaurig.
Mir sagte die Arme:
„Ich reise ins Warme,
denn hier in Ostfriesland versau’r ich.“

Ein Gastwirt räumt heute in Grasse
den Sommer von der Terrasse,
denn auch so weit südlich
wird’s im Herbst ungemütlich,
sehr zugig und manchmal auch nasse.

Es fegte ein Gärtner in Staufen
sein Laub akkurat zu Haufen.
Da kam steif eine Brise,
blies das Zeug auf die Wiese.
Er fand das zum Haare raufen.

Quatschgedicht

Fluffelheit, der Gunk verblüstert,
knurfte hufrig an der Plotz.
Hat die halbe Knaup ersprüstert,
hierfte quer mit Spritz und Sprotz.

Nahm darauf mit hügem Hotzeln
direktemang den Schlapf nach Hump,
um sich grüsdich zu verbotzeln,
mitten zwischen Lerz und Strump.

Da stand er nun und erfte gunkig:
„Ach, ich sprinze ohne Pralz.
Fühle mich gar flein und strunkig
hab‘ ein Dinkeln hier am Galz.“

Er gigelte und gagelte.
Dann gugelte er schnell am Flein.
Aus seinem Hampen ragelte
rot und blau ein gürnes Trein.

Es kam auch noch ein Knus zum Knusel,
knuste knusig rinks und lechts
und perdeutzte mit Gesusel
alles ärschlings des Geflechts.

So lurkste er, der hone Knorfel,
verbipselt aus dem schnaffen Mapf
und ging am End‘ mit blösem Worfel
ausgespurgelt in die Klapf.

Kugel im Kopf

Kugel im Kopf
Rast rotiert
Aus Bla den Sinn
Kreiselt fräst
Hascherei vom
Effekt wild spant
Kern Gebein
aus Zuckerguss
Sprachüberbau
Knall zu Rotz
Flippert mahlt
Special und Bonus
Tilt und Klarheit
Was unnötig
Schnell ins Taschentuch
Des Vergessens
Geschneuzt

Stühle

Auf dem Tisch
Decke Vase
Blume oder zwei
An jeder Seite
Ein Stuhl
Polster Lehne
Gebein
Drei gerade
Einer schräg
Der ist verrückt

Marco Kerlers Gedanken zu ‚El Pollo – Entscheidung in der Sierra Chica’…

el-pollo-cover-webGestern, mein lieber Leser, kam ich in den Genuss einer außergewöhnlichen und nicht alltäglichen Buchbesprechung, oder sollte ich besser sagen (?), Interpretation meines Westernromans El Pollo – Entscheidung in der Sierra Chica.  Der Ulmer Ausnahmelyriker (und das sage ich wirklich nicht nur so) Marco Kerler veröffentlichte auf seinem sehr lesenswerten Blog „Schreibgekritzel“ den folgenden bemerkenswerten Eintrag:

El Pollo

(für Martin Gehring)

Kamerafahrt
vom Kirchturm aus
sieht man nach unten
Menschen klein
fast Küken gleich
und reiten sie
auf Klappergäulen
die alten Hasen

In dieser Stadt
brennt Chili schon
die Männer gackern
wild vor Angst
und Esmeralda
Maus die tanzt
faustdick und fern noch
vom Klischee

In der Prärie
da fährt ein Wagen
mit Sprit an Board
und noch viel mehr
sitzt auf
ein Mann der Wissenschaft
er wisse wo
der Pollo wohnt

Und Sancho reist
der Sage nach
denn dieser Padre
hats befohlen
im Herzen stark
so ist er halt
als würde drin
El Pollo wohnen

Am Horizont
die Kamera stoppt
sieht man ein Huhn
es zieht den Hut
der Gehring selbst
der mags wohl sein
lacht sich ins Fäustchen
kann er gut

Bahnhof, morgens

Bahnsteigkante
Bitte zurückbleiben
Kaugummiverklebt
Rollkoffer morsen
Tack Tackatack
Über Klinkerstein
Holprige Botschaften
Die politisch korrekt
Ausgeblendeten Zentren
Des Universums
Am toten Ende hinten
Und noch weiter hinten
Undeutlich Sternhaufen
Oder nur Menschen
Umkreisen spiralneblig
Den Raucherpunkt
Waggons erster Klasse
Bremsen sich kreischend
In die Bereiche C und D
Darüber strahlt neonfahl
Bahnsteig für Bahnsteig
Analog die große Uhr
Und frühstückt Zeit